Spirit Tour — Update 20.5.

Heute war unser erstes Ziel die Gedenk- und Dokumentationsstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Auf der Fahrt dorthin fielen uns viele ausgrenzende Botschaften auf Wahlplakaten auf. Wir kamen dann in der Gedenkstätte an und waren verwirrt, wie hier landschaftliche Idylle mit abgründiger Gewaltgeschichte aufeinandertreffen. Wir hörten die Vögel zwitschern.

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Zugleich öffneten wir uns den Fragen von Schuld und Verantwortung in persönlicher und historischer Perspektive. Unsere Botschaft der “versöhnten Verschiedenheit”, die wir auf die Tour bewusst mitnehmen, wird sehr ernst auf dem Hintergrund der dokumentierten Erfahrungen, was passiert, wenn Intoleranz, Ausgrenzung und Gewalt sich paart.

Bei der Abfahrt waren wir offenbar noch seelisch beschäftigt, in Gedanken und nicht achtsam im Hier und Jetzt … und im Straßenverkehr. Bezeichnenderweise begingen wir in der Gruppe auf den ersten Kilometern danach ein paar Fahrfehler, die unbedingt an Ort und Stelle besprochen und geklärt werden mussten. Gut, dass der entstandene Schaden wirklich ganz gering war. Danach ging es besser weiter.

In Hannover hatten wir eine Begegnung mit Landesbischof Ralf Meister in seiner Garage und Garten.

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Seine BMW 1300 GS ist wirklich hervorragend gepflegt. Sein Sohn fährt eine 125 KTM.

Von 0 auf 100 in 2,5 Sekunden kamen wir in Kontakt und ins Gespräch. Da war ein gemeinsamer Spirit. Er nahm sympathisch und inspirierend den Tour-Impuls der “versöhnten Verschiedenheit” auf und erzählte, dass es in Hannover erstmals möglich war, dass katholische und evangelische eine gemeinsame Erklärung in den Gottesdiensten verlesen haben zur Europa-Wahl.

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Darin wurde Europa als Projekt des Friedens und der Gemeinschaft, die es weiter zu pflegen gilt, gewürdigt und empfohlen, sich an den Europa-Wahlen zu beteiligen.

Weiter ging es dann durch den dichten Stadtverkehr zum Kirchenamt der EKD.

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Dort erwartete uns unter anderem Oberkirchenrat Andreas Jensen, zuständig für Seelsorge, Gemeindeformen und Gottesdienst — genau richtig für uns. Nach einer Hausführung zur interessanten, offenen, transparenten Architektur und Arbeitskultur kamen wir dann bei Kaffee und Häppchen gleich zu den deutschlandweit diskutierten Themen, wie es mit der Kirche gut weiter gehen kann. Wir berichteten von den Erfahrungen der christlichen Bikerszene, dass hier vieles ohne Haushaltsposten und Sonderstellen dynamisch und kraftvoll lebt: Menschen treffen sich “in Gottes Namen” überall und zahlreich, die sonst nichts oder nur wenig mit Kirche zu tun hätten. Wohin soll kirchliche Aufmerksamkeit gehen: Auf das, was immer schwächer wird trotz hohem personellen und finanziellem Einsatz? Oder auf das, wo die Kraft, die Dynamik und der Spirit sich zeigt? Das ist eine offene Frage. Ein Satz blieb mir im Gedächtnis: “Wir haben aus EKD-Sicht noch etwa 10 Jahre Zeit, Geld und Personal, uns auf veränderte Bedingungen einzustellen und damit aktiv umzugehen. Danach werden wir, nach menschlichem Ermessen, keine Handlungsspielräume mehr haben.” Beim Abschied sprechen uns Passanten spontan auf unser Projekt an. Die Presse ist auch aufmerksam aktiv und nimmt u.a. Rundfunkinterviews auf. Dank an die Kommunikationspartner!

Andreas, Biker und Mitarbeiter der EKD zog sich spontan die Krad-Apostelweste über und begleitete uns unter dicken Wolken durch wunderbare Landschaft bis zur Bikerherberge Tonenburg. Ein Ort voller Benzin-Flair, Geschichte und Spirit zugleich. Empfehlung!

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Unter dem Regenschirm wurde Holgers KTM repariert, im Restaurant viel erzählt und herzhaft gelacht. Und immer wieder gab es persönliche Gespräche zu den Lebensgeschichten mit geweinten und ungeweinten Tränen … und beim allem Mut für das Leben und das Lieben. Steffi und Marko sind am Abend zu uns gestoßen und begleiten uns morgen als Tourguides nach Alsfeld. Wir danken dem großartigen lokalen Support.

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Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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