Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten am Ostersonntag, 12.4.2020

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Der Herr ist auferstanden!

Er ist wahrhaftig auferstanden!

Frohe Ostern!

Die Osterkerze stammt von einer Freundin der Kreuzkirche aus Augsburg. Ich habe sie heute alleine angezündet. “Christ ist erstanden”, habe ich auch allein in der Kirche gesungen.

Gestern (siehe Blog vom Karsamstag) standen Ulrike und ich allein am Osterfeuer, das wir im zeitlichen Gleichklang mit der katholischen Gemeinde um 21.00 Uhr entzündet haben.

Mir war dieser Termin für die Auferstehungsfeier bisher nicht bekannt. Aber ich habe mir sagen lassen, dass er sich öfter eingebürgert hat, weil am Vorabend mehr Menschen in die Kirche kommen, als am Ostermorgen um 5.00 Uhr.

Offenbar hat so ähnlich auch unser Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm gedacht. Sein Auferstehungsgottesdienst aus der Himmelfahrtskirche in München lief auch am Vorabend im Bayerischen Fernsehen.

Aber nicht nur für mich war es ungewohnt. Auch ein Ehepaar aus unserer Gemeinde wollte automatisch das Osterlicht früh um 5.00 Uhr aus der Kirche holen. Es tut mir leid, dass da das Licht noch nicht brannte, sondern erst beim gemeinsamen Glockenläuten früh um 8.00 Uhr entzündet wurde.

Leere Kirchen und Gottesdienste stellvertrentend gefeierte Gottesdienste sind eine kommunikative und seelische Herausforderung. Nicht nur unser Bischof hat in seiner Predigt darauf hingewiesen …

Ich nehme mit ihm wahr, dass stattdessen auch viele kreative, digitale und Distanz haltende Kommunikationsformen gefunden wurden, die einfach schön sind und Gemeinschaft vermitteln. Klasse!

Ich selbst habe meine Arbeit auch in andere Kommunikationskanäle verlegt. Es funktioniert! Ich arbeite ungefähr genauso viel wie sonst, nur habe ich nicht so einen “ungeistlichen” Termindruck. Ich genieße diese Situation auch. Zugleich, je nachdem wie es gerechnet wird, erreiche ich doppelt bis ungefähr zehnmal so viele Menschen wie bisher in der analogen Begegnungswelt. Was hat das zu bedeuten? Kirche ist ja eine “Kommunikationsgemeinschaft”!? Welche Aufgaben haben die Gemeinden, “Parochien” genannt, die sehr viele personelle und finanzielle Ressourcen binden? Viele und große Räume, die selten richtig voll sind … Info- und Orga-Aufgaben, die eigentlich keine studierten Theologen brauchen … intensive Binnenkommunikation ohne Relevanz für die Außenkommunikation … ?

Ich versuche mal eine Antwort, auf die die altisrelitische Bundeslade im äthiopischen Aksum mich hinweist:

Äthiopien hat eine durchgängige integre christliche Geschichte in Afrika. Es war der erste christliche Staat in Afrika und einer der ersten auf der ganzen Welt. Die äthiopischen Christen hatten und haben also eine starke Identität trotz aller geschichtlichen Schwierigkeiten.

Für das äthiopisch-christliche Selbstverständnis ist es ungemein wichtig, zu glauben, dass in dieser Kapelle in Aksum sich die Bundeslade samt 10 Geboten aus der Zeit des Mose befinden. Menelik I. hatte sie geklaut. Er war der Sohn der Königin von Saaba von Äthiopien und dem König Salomo von Israel, eine nicht ganz “korrekte” Love-Affaire, die sich auch in der Bibel aber vor allem im Urmythos des Staates Äthiopien wiederspiegelt. Menelik wollte ein bleibendes Andenken an seinen Vater … kann man ja verstehen.

Für die Identität der äthiopischen Christen ist es offenbar entscheidend, dass Bundeslade und 10 Gebote niemand zu sehen bekommt außer dem obersten Priester einmal im Jahr.

Stellvertretend sind die Bundeslade und die 10 Gebote offensichtlich präsent ohne überall gegenwärtig zu sein.

So ungefähr stelle ich mir dies auch mit unserer Kirche vor: Irgendwo muss Gottesdienst präsent sein, aber nicht überall. Es gibt so etwas wie stellvertretende Präsenz. So ähnlich verhält es sich auch mit Kirchenmusik oder der Diakonie. Aber dort, wo kirchliche Lebensäußerungen vorkommen, sollten sie eine große Wertschätzung erhalten … und Personal und Geld samt allen nicht direkt sichtbaren Ressourcen. Aber nicht alles muss überall sein! Und die kirchliche Kommunikation an sich, könnte so rationell wie möglich gestaltet werden. Unsere Kommunikationsgesellschaft bietet mehr Möglichkeiten dazu, als wir ahnen.

Ein Beispiel aus der Geschichte: Die Reformation begann natürlich damit, dass Martin Luther nachgedacht, geredet und geschrieben hat. An Fahrt gewann sie aber durch ein damals brandneues Massenkommunikationsmittel, den Buchdruck mit beweglichen Lettern des Herrn Guttenberg.

Ein Beispiel aus der Gegenwart: Im Internet tummelt sich alles mögliche, auch schlimmes z.B. aus der rechten Szene. Christen und Kirchen waren und sind m.W. in diesen menschenfeindlichen Echokammern nicht präsent, um die prophetische, menschenfreundliche Botschaft des Evangeliums zu kommunizieren. Es macht ja auch nicht richtig Spaß, sich mit Verschwörungstheorien und Gewaltphantasien beschäftigen zu müssen. Aber weil Christen dort ihr prophetisches Wort der Versöhnung nicht kommuniziert haben, ist der ganze gefährliche Unfug von der digitalen auf die analoge Welt übergesprungen und hat sich in Form von Pegida und AfD kondensiert. In anderen Kulturen (und Religiionen) läuft es ähnlich ab. Das Böse wächst, weil das Gute schwach und sprachlos ist.

Ich bin eindeutig für eine effizientere kirchliche Kommunikation in nicht-kirchlichen Bereichen. Ich glaube, dadurch kann “die Sache Jesu weitergehen” im digitalen Zeitalter, nach Corona und im Angesicht der globalen Krisen. Ich glaube, wir haben eine Aufgabe, die über unsere gegenwärtige Selbstbeschäftigung hinausweist.

Frohe Ostern! Und denkt daran: Mut tut gut.

Euer Frank

Written by

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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