Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten am Karfreitag, 10.4.2020

Heute, finde ich ist es gut, dass es ein ernster Tag ist. Ich predige das ganze Jahr immer wieder Themen des Karfreitags: Jesus ist als “Sündenbock” für uns ein für alle mal gestorben. Nun sind alle Sündenböcke überflüssig und schädlich. Gott hat uns dadurch die Schuld vergeben. Nun können wir unbeschwert, frei, getröstet, verantwortungsbewusst und ressourcenvoll leben. Gott hat uns dadurch das ewige Leben geschenkt. Nun können wir endlich unsere Angst ablegen.

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Heute ist es mir, am traditionell höchsten Feiertag der Protestanten, fremd, dass ich dienstliche Mails bekomme, Ulrike auch, unser Nachbar Holz sägt, die Geschäfte offen haben, der Bauer Mist ausfährt usw. …

Aber auch wenn der Karfreitag selten ein staatlicher Feiertag ist, warum begeht die Christengemeinde diesen Tag kaum. Die Gottesdienste, die ich in den vergangenen Jahren am Gründonnerstag, Karfreitag, ebenso am Buß- und Bettag und Reformationstag gehalten habe, waren stets schlecht besucht … und irgendwie ging das Leben weiter wie gewohnt.

Ich merke, auch wenn ich selbst weder traditionell noch hochkirchlich sozialisiert bin, dass dies ein Ausdruck kirchlicher Schwäche und mangelnder sozialer Bindekraft auch im “eigenen Haus” ist. Ich empfinde Trauer darüber.

Nachher werde ich noch online eine klassische musikalische Passion anhören. Die vergangenen Jahre war mir das Rock-Requiem wichtig, das ich so gern noch einmal live aufführen möchte, bevor ich in etlichen Jahren in den Ruhestand gehe. Es hat mich seit 1979 begleitet. Ich hörte es live auf dem Kirchentag in Nürnberg und es hatte mich ergriffen.

Mein Karfreitagsimpuls erreichte mich schon heute morgen, als ich nach dem Aufwachen die Corona-Nachrichten checkte. Ich dachte dabei an die Begegnungen in Kenia und in Äthiopien. Eine Mitarbeiterin der SOS-Kinderdörfer berichtet von dort und bestärkt meine sorgenvolle Analyse: Die Corona-Pandemie ist ein Teilproblem der größeren Krise, nämlich der Aufspaltung der Welt in arm und reich. Ähnlich verhält es sich m.E. auch mit der Öko-Krise. Die reichen Industrienationen werden sich gegen die jeweiligen Folgen mit Hilfe von Geld und Infrastruktur länger schützen können als die armen der ganzen Welt.

Ich finde der Karfreitag ist wertvoll. Er bringt uns dazu Gottes Schmerz in Jesus Christus zusammen zu bringen mit dem Schmerz an den Peripherien dieser Welt.

Und hier kommt der Link zu dem Artikel, den ich meine:

Seid bei allem behütet, einen gesegneten Feiertag,

euer Frank

Written by

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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