Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten am Gründonnerstag, 9.4.2020

Wir nähern uns Karfreitag. Nicht nur die Corona-Toten sondern auch das Kirchenjahr erinnert uns an Leiden und Tod und an das “Große Trotzdem”.

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Außerdem jährt sich heute der 75 Todestag von Dietrich Bonhoeffer. Er wurde von den Nazis gehängt, weil er sich im kirchlichen Widerstand gegen Hitler befand.

Heute werden nach ihm Gemeindehäuser und Kirchen benannt.

Ich erinnere mich an ihn, weil ich zu meinen Schulzeiten eine Arbeit über den Widerstand gegen Hitler geschrieben habe. Ich entdecke oft meine Fragen in denen von Dietrich Bonhoeffer wieder, zum Beispiel wie ein religionsloses Christentum aussehen könnte.

Heute macht mich sein Name eher nachdenklich und traurig, weil er ein kirchlicher Außenseiter war. Unsere evangelische Kirche war nämlich eher national bis nationalistisch. Sie empfand die Trennung von Thron und Altar nach dem ersten Weltkrieg zum Beginn der Weimarer Republik 1918 als Niederlage.

Die “Bekennende Kirche”, die über Vikarin Lydia Schröder mit der Kreuzkirche verbunden war, war in der Minderheit in unsere(n) Kirche(n). Und selbst dort war Bonhoeffer ein Außenseiter, weil er konsequent auf der Seite der Juden stand und “den Rad in die Speichen fallen” wollte. Er war an der Planung eines Attentats auf Hitler beteiligt.

Die Erinnerung an die eher dunklen Seiten unserer Kirchengeschichte, die mit rechtsnationalem Gedankengut einhergehen, ist heute mein Karfreitag. Warum mussten die Menschenrechte, die meines Erachtens das Evangelium im weltlichen Gewand darstellen, historisch gegen den Widerstand der Kirchen durchgesetzt werden? Eigentlich wäre es ihre zentrale Aufgabe gewesen! Diese Frage beschäftigt mich schon seit Jahren und Jahrzehnten. Gern hätte ich mich mit Dietrich Bonhoeffer darüber ausgetauscht.

Und warum ist die kirchliche Basis statistisch nachprüfbar immer noch offener für nicht-liberale Geisteshaltungen als der Durchschnitt unserer demokratischen Gesellschaft (siehe: Zeitzeichen, Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft, 3/2020, S.24–27)?

Ich mag bei diesen gegenwärtigen Karfreitag in einen größeren Kontext stellen, der auch den Hoffnungshorizont erblickt. Darum habe ich mich entschlossen, die in der Osterandacht einen großen Bogen zu spannen. Er soll die biblische Geschichte, das Kirchenjahr und unsere Gegenwart zu Corona-Zeiten umgreifen. Ich werde sie als YouTube-Video auch vor dem Ostermorgen auf die Startseite unserer Homepage

mit dem Link

stellen.

Bis morgen, euer Frank

Written by

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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