Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten am 8.11.2020

In der letzten Woche hat Trump und die US-Wahlen dem Pandemie-Thema den Rang abgelaufen. Das ist nicht unbedingt eine gute Botschaft. Für mich stellt sich die Frage, wo ist der bleibende Kompass in dieser Welt, die so durcheinander kommt. Ich bin ein paar Tage mit diesem Impuls schwanger gegangen … und dann wurde ein Text geboren. Es war fast so, als ob er ein eigenes Leben verwirklicht, weil die ursprünglichen Gedanken und Notizen sich beim Schreiben und Überarbeiten selbstständig gemacht haben. Die Andacht wurde dann in dem Allgäuer Anzeigeblatt veröffentlicht. Dabei spürte ich Aufregung und Unsicherheit, wie er sich so als eigene Persönlichkeit darstellen würde. Hier ist er bzw. sie:

Du sollst keine anderen Götter haben neben mir!

Ich glaube, für mündige Christen ist es wichtig, breit informiert zu sein, was in der Welt los ist. Zeitung und Bibel gehören zusammen auf den Schreibtisch, auf den Küchentisch oder dorthin, wo wir gern und konzentriert lesen und denken.

In Zeitungen, im Fernsehen und im Internet begegnen uns Informationen, die uns nicht nur informieren, sondern auch beeinflussen wollen. Wem sollen wir glauben? Was ist richtig? Was ist hilfreich? Gerade in der Schnittmenge von politischen Entscheidungen und den Grundorientierungen gibt es Konkurrenz, Streit und kraftvolle Konflikte. Welche Informationen sind wichtiger als andere?

In Politik und Öffentlichkeit werden mitunter Konflikte befeuert durch unbedingte Grundhaltungen, die Alternativen oder Kompromisse ausschließen. Manche Akteure wollen keine differenzierten Meinungen sondern Gefolgschaft. Sie wollen wie Gott sein und widersprechen dem ersten der 10 Gebote.

Konkurrenz ist gut, weil kein Mensch allwissend ist. Niemand hat die Wahrheit und die Problemlösung für alles. Unbedingte, kompromiss- und alternativlose Haltungen sind darum für Menschen tabu. Dies ist nur Gott vorbehalten. Und durch Jesus Christus wissen wir: Die Unbedingtheit Gottes hat einen Namen und heißt „Gnade und Liebe für alle seine Geschöpfe“.

Mit dieser Grundorientierung der Bibel lesen wir neu Zeitung, informieren uns durch Medien und schauen auf unser Leben. Die Frage bleibt: „Was sollen wir tun, wie uns orientieren?“

Nun antwortet der Bergprediger Jesus von Nazareth mit den Worten „Sucht zuerst Gottes Reich und seine Gerechtigkeit, so wird euch alles andere geschenkt.“

Ich übersetze die Worte aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 6, Vers 33 so: Oberste Priorität hat die Frage nach der Gerechtigkeit für alle Menschen. Wir selbst, die anderen und die nach uns Kommenden sollen in ihren Bedürfnissen nach Leben, Würde, Frieden und Glück berücksichtigt werden. Persönliche, politische und wirtschaftliche Entscheidungen richten sich danach.

Alle anderen Probleme werden von dieser Grundorientierung nicht sofort gelöst aber durch Entwicklungen lösbar. „Gottes Reich“ fällt nicht vom Himmel. Es wächst vielmehr aus kleinen Anfängen und beständig. Gott hat es dabei so eingerichtet, dass die vorläufigen, unvollkommenen Einsichten und Entscheidungen der Menschen dabei eine wichtige Rolle spielen. Wir sind Gottes MitarbeiterINNen.

So holt uns die Bibel aus unseren aggressiven Phantasien und motiviert uns zur beständigen Arbeit an den kleinen und großen Projekten des Guten. Gott wird der Welt, seiner Schöpfung, treu bleiben.

Und: Diese Grundorientierung wird uns in den Meinungsbildungsprozessen frei und unabhängig machen. Auch das ist eine Form von Lebensglück.

Ich wünsche uns allen von Herzen Gottes Segen dazu,

Ihr und euer Pfarrer im Kleinwalsertal Frank Witzel

Written by

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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