Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten am 6.5.2020

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Das Kreuz in der Kreuzkirche hat die Botschaft:

Gott hat alles(!) für uns getan, was in Zeit und Ewigkeit wichtig ist. In traditioneller Sprache ausgedrückt: In Jesu Sterben hat Gott uns unsere Sünden vergeben und uns das ewige Leben geschenkt(!).

Das heißt: Nicht unsere Anstrengungen sind es, die unser Leben in Zeit und Ewigkeit sichern. Wir brauchen keine Angst haben. Darum ist jeder Versuch, durch unsere eigenen Bemühungen Gott “gnädig zu stimmen”, ein Ausdruck von Unglauben. In der Kirchengeschichte, in der Reformationszeit war genau dieser Versuch, Gottes Gnade zu kaufen oder zu verdienen, der entscheidende Streitpunkt. Durch den damaligen Ablasshandel wurde der Konflikt greifbar. Der Anlass zur Reformation mit Martin Luthers 95 Thesen gegen den Ablasshandel war fortan gegeben.

Martin Luther beruft sich dabei stark auf den Apostel Paulus, besonders auf seinen Galater- und Römerbrief. Allerdings, meine ich, weist uns Paulus auch ganz stark darauf hin, dass der Konflikt zwischen Leistungs- und Gnadenreligion ein existentieller Konflikt ist, der durch jeden(!) Menschen hindurchgeht und darum auch quer zu durch alle Konfessionen geht.

Traditionell bzw. geschichtlich verläuft die Konfliktlinie der theologischen Auseinandersetzung ungefähr so: Sich ganz auf Gottes Gnade zu zentrieren und zu verlassen versus auf die eigene religiöse oder ethische Leistungsfähigkeit berufen. Die Evangelischen wählten den Weg der Gnade. Meines Erachtens haben auch andere Konfessionen dies letztlich als den richtigen Weg erkannt. Oder anders und besser ausgedrückt: Alle Konfessionen haben die Aufgabe, zu verstehen, was Gnade bedeutet. Wie kann sie nicht nur trösten, sondern auch zu einem Motiv zum Handeln werden?

Sollen wir etwa “nichts” tun? Hände “in den Schoß legen”? Alles Gott und seiner Gnade überlassen? Und die anderen machen mit der Welt, was sie wollen?

Die Frage drängt doch: Wie können wir aktiv sein bzw. werden, wenn unser Tun die Welt zum Besseren wenden soll? Gerade in den Herausforderungen der Ökologie und der Pandemie?

Hat überhaupt jemand noch die ernst zu nehmende Frage der Reformation “wie kriege ich einen gnädigen Gott”? Hat jemand überhaupt noch ein Problem mit Gott und seinem eventuell drohenden Gericht?

Bitte lasst euch diese Frage mal zu Herzen gehen!

Ich habe mir auch die Frage gestellt und komme zu der weitergehenden Frage:

Vielleicht bedeutet “Gnade” in unseren Tagen, in denen wir hoffen, dass die Menschheitsfamilie einen guten Weg aus allen Krisen findet, noch etwas anderes. Nämlich: Gott sorgt dafür, dass wir die Kraft und die Entschlossenheit entwickeln, das zu tun, wofür er uns erschaffen, nämlich die Erde zu bebauen und zu bewahren. Glaube bedeutet dann, zu vertrauen, dass Gottes guter Schöpferwille weiter wirkt … auch in und durch uns. So könnten wir zu seinen Mitarbeitern nicht durch unsere Kraft, sondern durch Gottes Treue werden. Gottes Gnade wirkt dann nicht nur durch sein Wort, das von den Sünden uns losspricht, sondern auch durch seinen Geist, der uns zu neuem, Gutes schaffendem Tun gemeinschaftlich befreit. Gott wirkt durch uns so, dass wir darin selbst beschenkt und irgendwie auch passiv sind … um letztendlich gemeinschaftlich sehr aktiv zu werden.

Könnte so Mystik und Ethik, Gnade und menschliche Aktivität neu gesehen und versöhnt werden?

Ich hoffe, ja.

Wie seht ihr dies?

Herzlich, euer Frank

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