Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten am 4.5.2020

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Kirchenvorsteherin und Orgelbauer in der Kreuzkirche

Wird man uns noch verstehen? Wahrnehmen?

Wird es uns noch geben?

Werden wir noch handlungsfähig sein?

Es wird vermutet, dass durch die Corona-Krise die Kirchensteuern um ca. 20 % einbrechen werden. Aus früheren Zeiten weiß ich, dass unsere Personalkosten in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern fix sind. Das heißt: Es gibt rechtliche Bindungen der Verlässlichkeit. An diesem Posten kann man nicht rütteln. Bleiben noch 20 % Sach- und Baukosten übrig. Die sind sozusagen freie Verfügungsmasse. Also können wir nur dort sparen, um die Mindereinnahmen auszugleichen. Zugleich finde ich, dass es meine Aufgabe ist, die Kreuzkirche auch als Baukörper mit spiritueller Ausstrahlung zu erhalten.

Wer mag uns helfen?

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Wer oder was wird den Bach runtergehen?

Meine Antwort ist: Um das Evangelium habe ich keine Angst. Es wird seinen Weg in die Welt weiter suchen und finden. Aber ich trauere um unsere Kirche. Ich finde, sie ist besser als Leute sie behandeln. Ich finde, sie schlägt sich wacker … trotz allem. Sie hat mehr Aufgaben und Pflichten als Ressourcen. Das Missverhältnis hat man nur lange nicht richtig gemerkt, weil Kirchensteuern vieles noch am Leben erhalten haben, wo es eigentlich schon an entschiedenen und begeisterten, ressourcenvollen Menschen für die jeweiligen Aufgaben gefehlt hat. Ich hätte es mir sehr gewünscht, dass es anders laufen würde.

Zugleich habe ich auch Sternstunden erlebt, den “Galiläischen Frühling” in unserer Gegenwart. Ich denke dann gern an die Augsburger Zeit mit ihrer Sozial- und Kulturarbeit, an die Gäste- und Motorradfahrer-Gottesdienste u.dgl. oder auch an die Traumatherapie und -pädagogik, die ich anbiete. Aber ich muss einsehen: Bislang hat sich davon nichts so verstetigen lassen, dass es eine neue, sich selbst tragende Kultur wurde. Es blitzte immer nur so auf. Es wurde kein Selbstläufer.

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Im Bärgunttal im Kleinwalsertal

Doch auch das Herabstürzende hat eine Schönheit …

Was fällt und darin seine Kraft entfaltet, kann nicht aufgehalten werden. Was ist dann unsere Aufgabe “im Auftrag des Herrn”.

Ich habe mich entschlossen, konsequent auf Kommunikation zu setzen und hoffe, dass “Gottes Wort tut, was es sagt”. Insofern bin ich auch neugierig, was geschehen wird.

Die Corona-Zeit ist irgendwie auch stimmig. Hier geht, ähnlich wie in der Kirche bzw. den Kirchen, auch etwas den Bach runter.

Mit Billionen wird versucht, dies abzufedern.

Doch eigentlich hat hier der Entwicklungsminister Gerd Müller das prophetische Wort gesprochen, dass wir ja alle wüssten, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann und auch nicht weitergeht. Weil wir nur eine Erde haben! Die Ressourcen sind begrenzt. Wir brauchen zu viel davon auf, so dass es für alle und für Nachkommende ausreichen könnte. Gerd Müller ist ein CSU-Mann. Er spricht aus, was in meiner Studienzeit nur Kreise und Gruppen in Worte fassten, die links von der damaligen SPD standen. Ich habe gestern in der Talkrunde von Anne Will niemanden wahrgenommen, der dieser Analyse widersprochen hätte.

Was bedeutet das?

Warum ist dann die Situation nicht anders?

Mir fällt sehr auf, dass es gewiss keine Linksradikale sind, die hier sich kapitalismuskritisch zu Wort melden. Mir fällt auch auf, dass sie etwas bedenken, was im Raum der Kirche und durch sie nach außen bereits seit Jahrzehnten mahnend gesagt wird: “Die Wirtschaft ist für den Menschen da, und zwar für alle Menschen. Und nicht umgekehrt! Gott hat den Menschen die Gestaltungskraft gegeben, dafür zu sorgen, dass die Wirtschaft den Menschen dient. Also nutzt sie demenstsprechend!”

Es wäre sehr schade und ein Schaden für alle Menschen, wenn diese institutionalisierte Kraft der Besonnenheit nicht mehr bestehen kann, weil ihr schlichtweg das Geld ausgeht.

Written by

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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