Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten am 30.3.2020

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Susann und ich beim Motorradgottesdienst an Himmelfahrt 2018 in der St. Mangkirche in Kempten: Wir sangen „freedom’s just another word for nothing left to loose”. Liebe Grüße von Janis Joplin!

Jetzt haben wir was verloren, nämlich unsere Freiheit und sitzen nun fest im home-offive, in Quarantäne und wir im Kleinwalsertal im Exil. “Freedom’s just another word for nothing left to loose.” Janis Joplin hätte zu Quarantäne und Exil bestimmt auch einen Song gemacht … oder Koks genommen.

Wenn mich der Eindruck und die Nachrichten nicht täuschen, haben wir zum größten Teil freiwillig die Freiheit im Alltag aufgegeben, verloren, um verantwortlich zu handeln und niemanden unnötig oder zu früh zu infizieren. Die Zustimmungswerte für die Einschränkungen zur Pandemie-Bekämpfung liegen bei schier unglaublichen 95%!

Ich glaube, Immanuel Kant, der große Philosoph der klaren Gedanken und der Ethik in aller Philosophie wäre begeistert gewesen:

Freiheit ist, selbstbestimmt einzustimmen in das, was man nach dem kategorischen Imperativ tun soll.

Klasse! Immanuel Kant und Jesus von Nazareth hätten sich in diesem Punkt bestimmt gut verstanden. Jesus hätte dann ganz beiläufig darauf hingewiesen, dass er ja schon vor 2000 Jahren Kants kategorischen Imperativ (Handle stets so, das dein Handeln als Maßstab einer Gesetzgebung für alle in allen Situationen funktionieren könnte. Übertragung FW) in der Goldenen Regel vorweg genommen hat:

“Alles, was du willst, dass die Leute dir tun, das tue ihnen auch!”

Trotzdem glaube ich, muss ich nun ein wenig Spielverderber sein. Ich meine nämlich, dass wir nicht vergessen sollten, dass die Corona-Epidemie zwar schon eine Frage von Leben und Tod für viele Menschen ist. Trotzdem haben sehr viele Menschen in Vergangenheit und Gegenwart auch ihr Leben dafür gelassen, dass Freiheit erkämpft und möglich wird.

Freiheit ist außerdem auch eine Kategorie des Glaubens. Paulus ist ihr Anwalt im Neuen Testament.

Freiheit, Verantwortung, (Über)Leben, wie werden wir diese Werte in einer guten Weise in der Menschheitsfamilie zusammen bringen? Ich glaube, das wird uns nach Corona sehr beschäftigen (müssen). Die Corona-(Aus)Zeit ist das Übungsfeld dafür.

Ich wandere 30 Jahre zurück in Gedanken. Lena, meine Tochter wurde geboren. Ich schrieb mein theologisches Examen. Die Examensarbeit ging über “Glaube und Demokratie”. Ich bearbeitete damals den Philosophen Hans Jonas, der im Konflikt von Freiheit und Verantwortung in seinem Buch “Prinzip Verantwortung” eine Öko-Diktatur vorschlug, um das Überleben der Menschheit im Angesicht der Umweltkrise, die sich damals schon abzeichnete, zu sichern. Damit kam er in Konflikt mit dem Freiheitsimpuls des christlichen Glaubens, so meine Analyse. Ich entschied mich in dieser Arbeit mich auf die Seite der Freiheit zu schlagen.

Ich bekam eine sehr schlechte Note auf die Arbeit. Mir war ganz schlecht, als ich mir nach bestandenem Examen die Korrekturen angesehen habe.

Ich hätte gegen die Bewertung protestieren sollen. Aber damals war ich froh, mich endlich auf Lena und mein junges Vatersein konzentrieren zu können.

Heute, nach 30 Jahren blicke ich zurück und merke: Diese Arbeit hat mich theologisch und ethisch seither stets begleitet. Ich habe mit ihr viel und wesentliches gelernt. Jetzt sind ihre Fragen gekommen.

Ich möchte mit euch gern da dran bleiben.

Pfüat na … ond bliiiibet xond. Euer Frank

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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