Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten am 3.5.2020

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Blick auf Hirschegg. Links St.Annakirche, rechts Kreuzkirche. Aufnahme des bekannten Allgäuer Fotografen Leo Schnellbach von 1953

Die Aufnahmen von Hirschegg und der Kreuzkirche sind knapp 70 Jahre alt. Aus dieser Zeit stammen auch manche alte Aufnahmen vom Beginn des Tourismus. Schon damals gab es Verkehrsstau und Skifreude.

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Kreuzkirche noch ohne Anbau, Treppendach und Pfarrhaus. Aufnahme des bekannten Allgäuer Fotografen Leo Schnellbach von 1953

Manche alte Bilder sind noch zu sehen, auf denen unkommentiert eine Hakenkreuzfahne zu sehen ist. Im Hotel Ifen war auch ein Gestapo-Edelgefängniss für Diplomaten. Von 1943 bis 1945 internierten die Nazis rund 30 europäische “Persönlichkeiten” im Ifen-Hotel im Kleinwalsertal. Auskunft darüber geben die “Carnets d’ un Captif”, die “Aufzeichnungen eines Gefangenen” vom französischen Diplomaten André François-Poncet. Der Kleinwalsertaler Dr. Thomas Gayda sie veröffentlicht.

François-Poncet, von 1931 bis 1938 französischer Botschafter in Berlin und danach bis 1940 in Rom, war am 23. August 1943 durch die Gestapo in der Nähe von Lyon verhaftet worden und führte von diesem Zeitpunkt an Tagebuch — bis zu seiner Befreiung im Mai 1945.

So geschichtsbewusst die Kleinwalsertaler auch sind, ich habe noch nie jemanden darüber erzählen gehört. Es ist ja auch nicht so einfach …

Vor den Toren Oberstdorfs war ein KZ-Außenlager von Ravensbrück. Die Betonreste sind heute noch am Waldrand zu sehen. Ich habe noch nie jemanden davon reden gehört, außer meinen Amtskollegen von Fischen. Ihm sind die Gedenktage der KZ-Befreiung wichtig. Es ist ja auch nicht so einfach …

In meiner Familie erzählt man sich auch nicht gern, wer für den “Führer” war. Da gibt es so etwas wie Familiengeheimnisse. Es ist ja auch nicht so einfach …

Heute vor 75 Jahren wurde das KZ Dachau befreit. Leider konnte die Gedenkveranstaltung nicht mit noch lebenden Überlendenden gefeiert werden, weil die Corona-Pandemie-Prophylaxe dem entgegenstand. Die Präsidentin des Bayerischen Landtages, Ilse Aigner und der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder mussten allein im Regen gedenken.

Gott sei Dank gibt es Medien! Im Rundfunk wurden Aigners Worte wiedergeben. Sie erinnerte an das Versprechen, dass “Nie Wieder!” solches Unrecht von deutschem Boden ausgehen werde. Aber man habe dieses Versprechen “nicht ganz halten können”.

Das fand ich auf dem Hintergrund, dass darüber zu sprechen nicht so einfach ist, dann doch richtig und gut. Richtig gut. Ich glaube, dass Gutes entstehen kann, wenn man die Größe und die Reife hat, zu sagen, dass man etwas Gutes nicht erreichen konnte.

Ich finde, so etwas übt man in jedem Gottesdienst ein. Dazu ist die “Besinnung” im ersten Teil des Gottesdienstes da. Traditionellerweise wird dieser Teil “Bußakt”, “Confiteor” oder “Sündenbekenntnis” genannt. Das klingt alles nicht so gut … ist aber gut.

Ich finde, Gottesdienste mit dieser Einübung zur Ehrlichkeit sind systemrelevant für unsere Welt.

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