Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten am 27. und 28.3.2020

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Das Haus Sonnegg war im vergangenen Jahrhundert ein Kinderheim. Vikarin Lydia Schröder hat dort als Erzieherin gearbeitet. S.u.

In den Medien wird schon die ganze Zeit, nun aber m.E. verstärkt diskutiert, wie groß die Corona-Krise, wie sie strukturiert ist und wie man damit umgehen sollte. Soll die gesamte Gesellschaft solidarisch mit einer Teilgruppe derselben sein und in der Quarantäne bleiben? Oder darf man manche Bevölkerungsgruppen opfern, um die Wirtschaft weniger zu schädigen? Wie soll man mit den Menschen umgehen, die sich selbst und anderen schaden, wenn sie so lange in der Wohnung sein müssen. Wie ist es mit der “häuslichen Gewalt” und der Depression während des Shut-Downs?

In seelsorgerlichen und therapeutischen Gesprächen der vergangenen Tage habe wahrgenommen, dass der Shut-Down als Ohnmachtserfahrung erlitten wird. Das “triggert” an und löst wiederum eine Traumafolgereaktion aus. Gott sei Dank wurde von allen in diesen Gesprächen auch bemerkt, dass es schon sehr hilft, wenn man das versteht, was da in und mit einem passiert, wenn die sogenannte “traumatische Zange”, ein Begriff der Traumatherapeutin Michaela Huber, zupackt.

Damit jede/r auch aus der Ferne die Chance zu verstehen hat, habe ich ein Erklärungsvideo auf YouTube gestellt. Jan, mein Sohn, hat mir geholfen. Danke!

Das Internet war so langsam, dass es ganze zwei Tage gebraucht hat, bis es upgeloaded war. Darum hatte ich gestern nichts schreiben können.

Hier ist der Link:

Ich habe ohne Konzept gesprochen und es mir zur Aufgabe gemacht, so zu sprechen, dass ich es selbst verstehen würde, wenn ich mir selbst ohne Vorkenntnisse zuhören müsste.

Krisen können Chancen sein. Probleme können Projekte werden.

In einer anderen Krisenzeit, die immer wieder in diesen Corona-Zeit als Bezugspunkt genommen wurde, sind sehr wegweisende Dinge im Kleinwalsertal geschehen. Im Haus Sonnegg, siehe oben, war ein Kinderheim. Lydia Schröder, eine examinierte Theologin der “Bekennenden Kirche”, die sich gegen Hitlers Führerprinzip in Staat und Gesellschaft stellte, arbeitet dort als Kindererzieherin.

Weil es plötzlich so viele Migranten, Ausgebombte, Kinderlandverschickte, Kranke und Geflüchtete im Kleinwalsertal gab, stellte die deutsche evang. Kirche sie als Seelsorgerin an. Als Pfarrerin konnte sie damals noch nicht “ordiniert” werden, es war ja noch 25 Jahre vor(!) der Einführung der Frauenordination in den evangelischen Kirchen. Und “Vikarin” Lydia Schröder machte einen heldenhaften Job. Es gibt zeitgenössiche Aufzeichnungen von ihrer Tatkraft, ihrem Kampf, den Weg durch Schneemassen zu finden, um auch in die abgelegenen Hütten zu finden. Dort gab sie Kindern und Erwachsenen kompetenten und liebevollen kirchlichen Unterricht. Sie kümmerte sich unermüdlich um die Seelsorge und war eine profilierte Predigerin in den Gottesdiensten. … obwohl dies Frauen im Grunde untersagt war in der damals von Männern dominierten Kirche.

Sie trat auch energisch für den Kirchbau in Kombination mit heizbaren Räumen ein, damit die Gemeinde sich dort auch versammeln, wohlfühlen und miteinander reden kann.

Sie war ihrer Zeit weit voraus. Am Tag der Grundsteinlegung der Kreuzkirche hat sie das Tal verlassen. Nach dem Krieg gewannen nämlich die Männer und Kräfte die Oberhand, die sie wegmobben wollten. Es ist ihnen zwar gelungen … dennoch war ihr Wirken hier ein gesegnetes Projekt: Sie nahm die gelungene Zukunft in der Kirche vorweg. Nun bin ich dankbar und auch stolz, dass ich ihr Nach-nach-nach …Folger sein darf.

Eine Darstellung von Lydia Schröder hat unser Gemeindeglied Dr. Otto Nüber in seinem Buch “Die Oberstdorfer Christuskirche im Dritten Reich. Ein Beitrag zur Geschichte der Bekennenden Kirche im Allgäu”, Oberstdorf, 2017, veröffentlicht.

Bei Interesse schicke ich es gerne gegen Spende für die “Ertüchtigung der Kreuzkirche” zu. Eine Mail an kreuzkirche@speed.at genügt.

Nun stellt sich die Frage: Was wartet an zukunftsweisenden Aufgaben durch die Verwandlung der Probleme in Projekte in der Corana-Krise? Da können wir uns jetzt schon hinorientieren …

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Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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