Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten am 26.4.2020

Image for post
Image for post
Quelle hinter Mittelberg im Kleinwalsertal. Ein Teil der lokalen Trinkwasserversorgung

Ich bin ja ein Anhänger der großen Zusammenhänge und des “big picture”, um die Welt zu verstehen. Ich finde, das Kleinteilige führt automatisch zum Großen und seinen Herausforderungen.

Im Kleinwalsertal kann man supergutes Wasser ohne Aufbereitung trinken. Es kommt aus der Leitung.

Zugleich erinnere ich mich, dass ich in Unterfranken meine Schulzeit verbracht habe. Da war es schon damals ein Thema, dass zu viel Nitrat und Nitrit im Grundwasser ist. Ich war in den USA. Dort roch das Leitungswasser nach Chlor. Ich war in Afrika. Dort sollte man Wasser nur aus Flaschen trinken.

Im vergangenen Jahr bin ich auf der bundesweiten Spirit Tour von Nord nach Süd durch Deutschland gefahren. Bis wir in Oberfranken mit kleinteiliger Landwirtschaft ankamen hat es überall(!) auf Hunderten von Kilometern nach Gülle gestunken, ohne dass man Vieh in der Landschaft gesehen hätte. Das kann nicht gut sein! Weder für das Grundwasser, noch für das Vieh oder die Menschen.

Zum Wochenende las ich in der Zeitung, dass in der Gülle, die ausgebracht wird, in der Mehrzahl der überprüften Fälle vonGreenpeace mulitresistente Bakterien gefunden wurden, die sogar gegen “Notfall-Antibiotika” (also solche, die bei resistenten Bakterienstämmen noch wirken soll) resistent sind. Warum muss eigentlich Greenpeace so etwas kontrollieren? Dazu sind doch die Gesundheitsämter da! Warum nehmen sie ihren Auftrag nicht wahr, sich um die Gesundheit der Bevölkerung zu kümmern? Das bestimmungsgemäße Funktionieren der staatlichen Institutionen wäre doch eine Aufgabe, die über Parteigrenzen hinweg konsensfähig sein müsste.

Was passiert, wenn keine wirksamen Medikamtente vorhanden sind, erleben wir in der Corona-Pandemie mit Covid 19.

Ich plädiere für ein Big-Picture-Krisenmanagement.

Gestern war Anne Will wieder. Ihre Gäste, 1x B und 3x L: Annalena Baerbock und Armin Laschet, Karl Lauterbach, Christian Lindner.

Alle(!) verloren sich im Kleinteiligen: wie viel Öffnung nach dem Shut-Down und wie bzw. wer zuerst darf raus.

Zumindest von der Vertreterin der Grünen hätte ich im Sinne von Ökologie, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit erwartet, dass sie den Horizont auf die noch größeren Themen, die hinter Corona auftauchen, aufmacht. So sind die Grünen ja einst entstanden … mit Blick auf die großen Themen.

Vom Vertreter des Liberalismus hätte ich erwartet, dass er etwas Grundsätzliches zum Verhältnis von Freiheit und Sichertheit sagt und hier den Grundwerte-Kompass auspackt. Dann kann man ja immer noch verschiedener Meinung sein, wie die Landkarte richtig eingenordet wird …

Der Vertreter der Sozialdemokratie hätte wenigstens in einem Halbsatz die “internationale Solidarität” erwähnen können, dass eben die Ausgebeuteten dieser Welt die am meisten Gefährdeten sind.

Dieser Totalausfall der großen Themen scheint mir darauf hinzuweisen, dass die Kirchen als “Kommunikatoren von Orientierungswissen im Auftrag des Herrn” gefragt wären, wenn sie gefragt werden würden. Was haben sie zusagen? Wo sind sie zu hören? Was sagen wir als Akteure an der Basis?

Ich merke, wie ich ungeduldig werde. Ich möchte nicht mehr meine Zeit und und Kraft mit Kleinkram verplempern. Ich glaube wir haben nicht mehr genügend Zeit dafür. Seitdem ich mit meiner Midlife-Crisis durch bin, habe ich auch persönlich das Gefühl, nicht mehr unendlich viel Zeit zu haben.

Written by

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

Get the Medium app

A button that says 'Download on the App Store', and if clicked it will lead you to the iOS App store
A button that says 'Get it on, Google Play', and if clicked it will lead you to the Google Play store