Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten am 26.3.2020

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Im Kloster Ura Kidane Meret bei Bahir Dar im Tana-See, Äthiopien, 2016

Heute habe ich mir Bilder angeschaut von verschiedenen Gemeinde- und Bildungsreisen, die ich in den letzten Jahren organisiert und geleitet habe. Ich merkte dabei, dass es Zeiten in meinem Leben gab, da fühlte ich mich mit der ganzen Welt verbunden. Nun kann ich die Stiefel, die ich auf dem Foto anhabe und kürzlich zum Schuster brachte, nicht mehr abholen. Erstens hat er in Deutschland wahrscheinlich geschlossen, da er nicht richtig systemrelevant ist, zweitens komme ich nur mit größter Mühe über die deutsch-österreichische Grenze aus dem Kleinwalsertal raus.

Das Kleinwalsertal riegelt sich allmählich hermetisch ab. Es dürfen nur noch dienstliche Pendler hin und her über die Grenze an der Walserschanze. Wenn ein Kleinwalsertaler z.B. einen dringenden Arzttermin hat, kommt er zwar mit ärztlicher Bestätigung raus aus dem Tal. Aber wenn er zurückkommt, muss er anschließend 14 Tage in häusliche Quarantäne. Wer von außen reinmöchte, braucht ein ärztliches Zeugnis, das nicht älter als 4 Tage sein darf.

Aber immerhin: Das Kleinwalsertal ist besser dran als z.B. Ischgl: Trotz Skibetrieb bis zum Schluss (wie in Ischgl oder Lech) gibt es bisher keine Corona-Infektion, jedenfalls keine, die bekannt wäre.

Im Fernsehen und in der Presse nehme ich zunehmend besorgte Stimmen wahr, die auf einen möglich ansteigenden Aggressionspegel in den Wohnungen hinweisen, wenn die Leute nicht rauskommen. “Häusliche Gewalt” und “sexualisierte Gewalt” war ja auch schon vor Corona viel zu oft zu beklagen. Die politische Gemeinde im Kleinwalsertal hat heute mit der Zeitung einen Flyer versandt, mit Hinweisen zu Beratungsangeboten. Ich stehe da auch drauf unter dem Stichwort “Seelsorge”. Gott sei Dank ist mir bisher im Hinblick auf Gewalt noch nichts untergekommen. Aber mit meinen Traumatherapeuten-Anteilen denke ich insgeheim oft daran, dass wir hier eine sehr riskante Situation haben. Neben Gewalt im privaten, abgeschlossenen Bereich sind auch vermehrte Depressionen ein Problem, auf das ich mich gefasst mache. Hoffentlich geht alles gut! In den vergangenen Tagen war ja eher große Freude angesagt, wie kreativ Menschen auch auf Distanz sozial sein können. Ich war davon auch ganz begeistert und bewegt. Mögen die guten Ressourcen immer die Oberhand behalten!

Alles Liebe und Gute euch, Pfüat na … ond bliiibet xond!

Frank

Written by

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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