Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten am 24.4.2020

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Das Sozialzentrum im Kleinwalsertal, das beste Seniorenheim, das ich kenne. Hier wird gearbeitet und gelebt mit Herz und Verstand. Schön ist auch, dass hier — in normalen Nicht-Corona-Zeiten — regelmäßig ökumenische Gottesdienste stattfinden mit Abendmahl/Eucharistie, ohne dass jemand dies so nennen würde.

Heute war ich aus seelsorgerlichen Gründen im Seniorenzentrum. Das geht, wenn Menschen es von sich aus wünschen. Gut ist die Stimmung bei den Menschen, die ich mit dem nötigen Abstand getroffen hatte. Es war sogar lustig, weil Bewohner aus der Distanz mich unter der Mund-Nase-Bedeckung erst nicht erkannt hatten. Zugleich spürte ich Traurigkeit, weil es immer wieder auch Abschiede gibt. Ja, auch im professionellen Kontext darf Traurigkeit eine Rolle spielen. Gerade das schätze ich am Sozialzentrum sehr, dass hier das Herz mit dabei ist.

Der deutsche ehemalige Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm ist gestorben. Ich mochte ihn. Ich bin traurig, dass er gegangen ist und dass er in den letzten Lebensphasen gelähmt war aufgrund einer Blutvergiftung.

Wenn die Corona-Zeit vorbei ist, sollten wir unabhängig von der konkreten Krise noch einmal genauer, offener, mutiger, einfühlsamer über die Themen Intensiv- und Palliativmedizin am Ende des Lebens reden. Wir könnten auch den Hospizgedanken noch etwas näher an uns herankommen lassen. Menschen werden nämlich nicht mehr alt und lebenssatt, so dass man getröstet sagen könnte, dass ihre Zeit von allein gekommen ist, um den letzten Weg anzutreten. Alle Anzeichen des Betagtseins haben Namen von Krankheiten. Diese Namen verführen dazu, gegen sie anzukämpfen. Altersschwäche, der man sich getröstet öffnet, gibt es so per Definition nicht mehr.

Zurück zur Corona-Situation: Das Kleinwalsertal, das exilierte Tal im Lock-Down, wird berühmt, noch berühmter: Gestern wurde es von Bundeskanzler Sebastian Kurz bei Sandra Maischberger erwähnt, heute kam ein Fernsehbericht bei Servus TV.

Ich kann mich erinnern, dass ich auf der Kanzelwand zur internationalen Älplerletze zum “permanenten Pfingsten” der Völkerverständigung gepredigt hatte. Dabei erwähnte ich Europa als vorbildliches Versöhnungsprojekt, das im Kleinwalsertal quicklebendig ist. Dabei stand der Altar in Vorarlberg/Österreich und die Gemeinde, weit über 1000 Leute samt Alphornbläser, saß in Bayern/Deutschland. Die Grenze war unsichtbar.

Danach, bei den Grußworten, outete sich Markus Ferber als Europaabgeordneter unter den Gottesdienstbesuchern und beteuerte, dass wir beide uns über die Predigt vorab nicht besprochen hätten, er aber auch die Einheit Europas stärken will.

Meine Erinnerungen an meine eigene Europa-Sympathie lassen mich nun Wehmut spüren. Ich hätte nie gedacht, dass die Walserschanze hermetisch so dicht abgeriegelt werden würde. Im Filmbeitrag klang das auch an. Für mich macht es auch kaum Sinn, das Bayern und Vorarlberg in meiner Wahrnehmung einen ähnlich strikten Umgang in der Corona-Pandemie pflegen und trotzdem sich nun gegenseitig abriegeln. Diese Maßnahme wäre vergleichbar mit einer totalen Absperrung eines Stadtteils von Kempten! Das kann doch nicht sein in einem Europa, das zusammenwachsen will! Ich habe mir sagen lassen und kann es aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die deutschen Grenzschützer dabei noch strenger sind als die österreichischen Bediensteten. Meine Analyse ist noch im Fluss. Aber ich kann jetzt schon sagen, dass ich meine, dass hier etwas Prinzipielles nicht stimmt.

Heute hatte ich auch mehrere Gespräche zur Ertüchtigung der Kreuzkirche. Wir werden Geld dafür ausgeben, dass die Kreuzkirche repariert, saniert, engergetisch und ökologisch verbessert, barrierefrei und familienfreundlicher wird. Die Corona-Krise wird die Finanzierung aber nicht leichter machen.

Wer will, kann und ein leichtes Herz dabei hat, wird eingeladen uns finanziell zu helfen. Infos dazu gibt es auf unserer Homepage. Danke, vielen Dank von Herzen!

Das Spendenkonto ist ein wenig versteckt, aber findbar:

Danke und seid behütet … und denkt daran (s.o.): “Das letzte Hemd hat keine Taschen.”

Euer Frank

Written by

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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