Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten am 23.3.2020

Privat und persönlich habe ich heute wieder den Frieden in mir und um mich herum genossen. Doch das ist ja nicht alles! Corona-Zeiten sind auch Krisen-Zeiten. Die Nachrichten, das Internet, die Talkshows und Zeitungen sind voll davon. “Mein Bischof”, Heinrich Bedford-Strohm, Bayer. Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzender war heute bei “hart aber fair” im Fernsehen. Er hat redlich sich bemüht, die Chancen zu sehen, Mut zu machen und Begeisterung und Zuversicht auszustrahlen. Das ist sein Charisma. Es war nicht nett, vom Moderator, ihn mit einem Nebensatz zu kommentieren, dass er Worthülsen von sich gibt.

Vielleicht sollte dies aber auch für mich Anlass sein, den Blick auf das Ernste ernster zu richten.

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Als Seelsorger machte ich heute wieder die Erfahrung, dass persönliche Gespräche auch sehr gut per Videofunktion bei WhatsApp geführt werden können, solange das Internet stabil ist. Zugleich machte ich auch (wieder) die Erfahrung, dass die Kreuzkirche, die ich sehr liebe, von einheimischen Mitchristen in dieser Krisenzeit für die persönliche Andacht selten aufgesucht wird. Der Kraftstrom, der sie füllt, kommt von der sogenannten Gäste-Seelsorge.

Gäste sind aber jetzt nicht da, dürfen nicht da sein. Ich meine sehr unmittelbar zu spüren: Kirche erodiert auch im Kernbereich. Darüber trauere ich.

Ich habe mich jetzt 30 Jahre lang bemüht, dass das Gegenteil der Fall ist. Ich hatte dabei auch den “galiläischen Frühling” verschiedentlich erlebt. Es gab ja auch tolle Erfahrungen mit großer Reichweite. Doch es war nicht nachhaltig, bis jetzt jedenfalls. Ich habe erlebt, wovon andere in der Kirche predigen und träumen. Aber dann haben unsere Entscheidungsträger und das kirchliche Milieu der Basis dies nicht unterstützt. Der Frühling konnte nicht zum Sommer werden. Er hatte nicht die Kraft dazu. Ich bin mir nicht sicher, ob sich das in meinen letzten 10 Jahren “im Amt” noch ändern wird.

Als Traumatherapeut machte ich heute die Erfahrung, dass die Corona-Krise Traumafolgereaktionen auslösen kann, weil hier Ohnmachtserfahrungen eine zentrale Rolle spielen. Dies kann “triggernd”. Wer also gedankliche, emotionale oder körperliche Reaktionen an sich wahrnimmt, möge bitte schauen, dass er/sie sich auch in Corona-Zeiten Hilfe holt.

Hilfe kann man auch in sich selbst holen.

Zum Beispiel: Der Perspektivwechsel vom “Warum” zum “Wozu” das alles jetzt so ist, wie es ist, kann helfen. Das kann jede/r selbst.

Auch die unverzagte Suche nach Ressourcen ist hilfreich. Wer mag was malen? Wer macht Musik? Wer schreibt etwas Gutes für andere? Das kann ebenso jede/r selbst. Auch in Corona-Zeiten lässt sich das alles miteinander teilen. Es ist wirklich toll und bewegend, was dazu auch im Internet zu finden ist.

Bitte, entdeckt das Wozu und den Sinn, der in die Zukunft weist! Pflegt eure Begabungen und Ressourcen, auch zuhause! Ich glaube, es ist wichtig, unter anderem weil die Corona-Krise wohl so schnell nicht vorübergehen wird.

… ond bliebet xond

euer Frank

Written by

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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