Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten am 21.4.2020

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Franks BMW GS 1200 an der Walserschanze, wo jetzt die Grenze sehr undurchlässig geworden ist

Heute habe ich den Alpin-Biker-Event per Newsletter-Rundmail abgesagt mit folgendem Text:

Liebe Alle, Biker*innen nah und fern,

leider muss ich den Alpin Biker Event 2020 absagen. Wir haben einfach keine Planungssicherheit … und dass irgendetwas klappt ist mehr als fraglich. I got the blues about that …

Aber: Es war ein Freude, zu planen und vorzubereiten. Dank an das tolle Haupt- und Ehrenamts-Team!

Mein Vorschlag wäre: Wir verschieben alles um genau ein Jahr und starten dann neu mit dem, was wir dieses Jahr vorgehabt hätten.

Der Alpin-Biker-Event nimmt dann also die gute und gewachsene Tradition der Vorjahre wieder auf und aktualisiert sie leicht.

Save the date!

Am Donnerstag, Himmelfahrt, 13.5.2021 gibt es in der St.Mangkirche um 11 Uhr wieder den traditionellen Motorradgottesdienst. „So Gott will und wir leben.“ Die Rockmusik soll prominent im Mittelpunkt stehen. Das Motto lautet: “Im Gleichgewicht”.

Danach gibt es eine individuelle Ausfahrt nach Oberstdorf in das Gemeindezentrum der Christuskirche zu Kaffee und Jause. Um 15 Uhr findet in der Christuskirche in Oberstdorf wieder ein Gospelkonzert mit “soulful voices” alias “Walser Gospelchor” statt. Hier kommen Lieblingslieder ans Ohr und ins Herz, die uns “im Gleichgewicht” halten.

Am Freitag nach Himmelfahrt, 14.5. starten wir in der Früh zu einer Motorradtour rund um den Widderstein. Genaue Zeiten und Orte werden noch bekannt gegeben. Am Abend gibt es wieder um 20 Uhr ein supermäßiges Rockkonzert mit “Double U.C.”. vielleicht in Hirschegg, vielleicht in Kempten.

Am Samstag fahren wir auf kleinen Straßen in den Stuttgarter Osten zur ehemaligen Rennstrecke Solitude und übernachten dort. Übernachtungstipps und Unterkünfte bekommt ihr auf Anfrage unter kreuzkirche@speed.at.

Am Sonntag feiern wir einen Motorradgottesdienst mit den schwäbischen Bikern am Glemseck der Solitude. Wie es danach weiter geht, sehen wir später. Vielleicht können wir den Alpin-Biker Event mit der Spirit-Tour 2021 West-Ost verknüpfen …

Als die Mail draußen war, wurde ich schlagartig müde. Abnehmende Systeme ziehen Kraft ab.

In dieser Müdigkeit gingen meine Gedanken in der Vergangenheit wandern. Ich erinnerte mich:

In meiner Schulzeit habe ich volle Kirchen auch außerhalb von Weihnachten erlebt. Ich nahm ganz automatisch an, dass das normal so ist, sich so gehört, so bleibt und das Leben aus dem Glauben noch intensiver wird.

Im Theologiestudium nahm ich wahr, dass wir viele sind, zu viele für den vorhandenen Platz. Der damalige Personalreferent, Oberkirchenrat Theodor Glaser bemühte sich sehr und erfolgreich, uns alle unterzubringen und eine bayerische Theologenarbeitslosigkeit zu vermeiden.

Auf meiner Vikariatsstelle in Berchtesgaden und auf meiner ersten Pfarrstelle in Schweinfurt St.Lukas fand ich, dass mehr Leute in der Kirche sein müssten. Während ich meinen Mentor in Berchtesgaden, Pfr. Dr. Wolfgang Höhne, noch skekptisch beobachtete, wie er sich sehr kreativ anstrengte, die Kirche voller zu bekommen, übernahm ich in Schweinfurt selbst diese Rolle. Mein damaliger Kantor, Kirchenmusikdirektor Gunsenheimer, führte an seiner Orgel in einem kleinen Büchlein die Liste, die die Anzahl der Gottesdienstbesucher*innen dokumentierte. Neugierig überprüfte ich meine Zahlen gelegentlich, wenn ich unbeobachtet war. Mit Energie riefen wir neue Gottesdienstformat, zum Beispiel die “Thomasmesse, ein Gottesdienst für Zweifler, Sucher und andere gute Christen” ins Leben … neben vielen anderen Versuchen, kirchliches Leben zu aktivieren.

Seither lebe ich mich mit meinen Kräften gegen den steten kirchlichen Schwund. Manchmal erlebte ich dabei Sternstunden und den “galiläischen Frühling”. Doch dieser ließ sich bisher nicht verstetigen.

Was hat das zu bedeuten? Bei Jesus, das heißt zu seinen Lebzeiten, war das auch nicht anders, habe ich an der Uni gelernt.

Dass das Christentum und mit ihm das Leben aus dem Glauben in irgendeiner Weise boomt, wächst, gedeiht, auf breiter Basis kreativ wird, kann man wohl erst ein bis zwei Generationen später wahrnehmen. Ab dem 4. Jahrhundert wird es dann kulturell prägend und mit Kaiser Konstantin auch staatstragend, lernte ich ebenfalls im Theologiestudium. Meine Frage, so vermute ich, muss also etwas mit Soziologie zu tun haben.

Wenn es stimmt, dass man sich zwar gegen Trends aber nicht gegen Megatrends wehren kann, was bedeutet diese Beobachtung dann für mich und meine Rolle als Pfarrer? Was bedeutet sie für “meine” Kirche? Was bedeutet dies für “unsere” Kirche, sofern sich mehr als einzelne ihr noch zugehörig fühlen?

Wohin sollte unsere, meine Kraft gehen? Wieviel Zeit haben wir noch?

Ich nehme wahr, dass Corona uns zu unangenehmen Fragen nötigt. Hoffentlich gibt es Antworten, die uns gut weiter führen.

In diesem Sinn, alles Gute, euer Frank

Written by

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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