Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten am 20.3.2020

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So schön, so friedlich, so wildromantisch stellt sich heute das Kleinwalsertal an der Breitach gleich unterhalb der Kreuzkirche dar. Zugleich wird es immer schwieriger, die Grenze an der Walserschanze zu überqueren. Heute musste ich unserer Architektin Angelika Blüml persönlich helfen, damit sie über die Grenze zur Kreuzkirche kommt. Der Grenzpolizist war streng. Und es wird noch strenger, weil morgen in Bayern die Ausgangsbeschränkungen n noch einmal verschärft werden.

“Das macht mir gar nichts aus. Ich bleibe daheim”, schreibt mit eine Freundin der Kreuzkirche. Aber eine andere Ehrenamtliche seufzt, “hoffentlich ist bald alles wieder vorbei!”

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Ich nehme die Gelegenheit wahr und spaziere mit Ulrike zur Post, um Geburtstagsbriefe der Kirchengemeinde aufzugeben. Das Auto bleibt stehen. Super! Endlich gibt es mal keinen Zeitdruck. Ich genieße es und spreche mit sicherem Abstand mit vielen Einheimischen und Gemeindegliedern. Die allermeisten haben guten Mut und können die positiven Seiten der Ruhe genießen. In den gar nicht so kurzen Begegnungen weise ich immer wieder darauf hin, dass diese Situation wohl nicht so schnell vorübergehen wird und ich in dieser Zeit ansprechbar bin — per Telefon, per Mail oder im Gespräch mit sicherem Abstand.

Unsere Kirche(n) sind voll aktiv und kreativ, was man alles in der geschenkten Zeit tun könne: Beten und vieles andere mehr. Einen Überblick geben dazu die Links auf der Homepage der Kreuzkirche:

Menschen haben Zeit. Die Kirchen empfehlen jetzt mehr zu beten und von Balkonen zu singen. Meine Nachbarn putzen aber lieber ihre Autos. Ein anderer renoviert ein altes denkmalgeschütztes Gemeindehaus. Vielleicht sind solche Tätigkeiten auch gar nicht so schlecht. Ich denke daran, wie ich vor einigen Jahren das Buch von Matthew B. Crawford “ich schraube, also bin ich” mit Gewinn gelesen haben. Zum Reparieren braucht man Demut, weil man sich erst einmal darauf einlassen muss, wie etwas ursprünglich gemeint war. Und wenn man das verstanden hat, kann man reparieren im Sinn von “heil machen”. Ich erinnere mich total gern daran, wie ich vor Jahrzehnten alte Autos mit der Hilfe meines Freundes Joachim repariert und durch den TÜV gebracht habe. Das ist heute noch ein Teil meiner persönlichen Identität.

Viel Spaß und Gottes Segen bei Identitätsfindungen in Corona-Zeiten. Ich finde, sie sind heilig.

Written by

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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