Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten am 2.5.2020

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Plakat an der Walserschanze zur heutigen Demo

Werden überhaupt Leute kommen, nachdem viele abgesagt hatte, nachdem einige Lockerungen des Shut-Down zugesagt wurden?

Wird es regnen, wie es der Handy-Wetterbericht ankündigt?

Es hat geklappt. Gut 40 Leute waren da. Zugleich haben wir gemerkt: Die Kleinwalsertaler haben erkennbar keine Demo-Erfahrungen. Aber was nicht ist, kann noch werden.

Schön war auf jeden Fall, dass die Demonstration auch eine ganz freundliche “Wir-danken- unserem-Bürgermeister-Andi-Haid-Aktion” war.

Es hat sich in kurzer Zeit einiges getan in Fragen der Corona-Prophylaxe, der Einschränkungen und Lockerungen im Hinblick auf Bewegungsfreiheit und Grenze an der Walserschanze.

Für Kleinwalsertaler wird es jetzt möglich, im Allgäu einzukaufen, zum Arzt zu gehen und das Leben mit seinen Notwendigkeiten zu organisieren.

Trotzdem ist die Grenze immer noch relativ dicht. Man darf sich außer zu den genau fixierten Anlässen nicht im Allgäu aufhalten. Der Grenzübertritt aus „nicht-relevanten“ Gründen, wie zum Beispiel ein Gottesdienstbesuch der Kleinwalsertaler in Oberstdorf oder der Allgäuer in der Kreuzkirche in Hirschegg, ist nicht (noch nicht) möglich. Dabei sind wir auf evangelischer Seite eine(!) Gemeinde, nämlich die von Oberstdorf, die seit 1937 auch einen Sprengel (Gemeindeteil) im Kleinwalsertal hat.

Das Ziel ist darum eine vollständige Öffnung. Dies entspräche auch der Wirklichkeit:

- Epidemologisch, weil diesseits und jenseits der Grenze vergleichbare Corona-Prophylaxe-Regeln gelten und der sogenante R-Faktor weit unter 1 liegt.

- Religiös, weil der „alte (katholische) Walser Kirchweg“ vom Kleinwalsertal nach Fischen bzw. nach Oberstdorf geht. Wir pilgern ihn jedes Jahr ökumenisch und wollen dies heuer auch wieder am 29. Juni tun. Außerdem gibt es, s.o., auf evangelischer Seite eine Kirchengemeinde. Sie soll nicht zerteilt werden! Zudem finden sich Christen und „religiöse Zaungäste“ zahlreich zu unseren Berggottesdiensten ein. Dies ist wirklich bedeutsam im gesamten kirchlichen Bereich Mitteleuropas.

- Wirtschaftlich, weil die Wertschöpfung im Kleinwalsertaler Tourismus auf offene Grenzen angewiesen ist … und die Oberallgäuer Wirtschaft auch vom Kleinwalsertal profitiert.

- Kulturell sind wir sowieso verbunden und

- emotional auch, weil wir uns hier eingesperrt fühlen und häufig Freunde, Familie und Verwandte in Deutschland haben.

- Politisch ist das Kleinwalsertal Beispiel und Symbol des gelingenden „Friedensprojekts Europa“, weil sich hier halb Mitteleuropa trifft, das Leben, die freie Zeit und die wunderbare Natur durch den Tourismus genießt. Es bedeutet viel, dass hier Grenzen keine Rolle spielen — gerade in einer Zeit und einer Welt, in der nationalistische Kräfte in ganz Europa und in der ganzen Welt verstärkt ein Interesse an Grenzziehungen und der damit verbundenen Gewalt haben.

Ich finde, dies sind alles gute Gründe, um vom Demonstrationsrecht Gebrauch zu machen, auch wenn es ungewohnt ist.

Es grüßt herzlich, seid behütet … ond bliiiibet xond, euer Frank

Written by

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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