Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten am 18.4.2020

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Kreuzkirche vorn, Elfer und Zwölfer in der Mitte, Widderstein hinten rechts

Heute ist Samstag, Ulrike hat frei. Wochenende! Der Wecker klingelt nicht. Wir frühstücken auf der Terrasse und meditieren dabei wieder den Widderstein, Elfer und Zwölfer. Er und es ist schön. Die Zeitung kam schon vorher. Ein Kommentar von Alois Knoller, Redakteur für Religionsangelegenheiten der Augsburger Allgemeinen, fällt mir auf. Ich stimme ihm zu: Kirchen und Gottesdienste sind “systemrelevant”. Sie vermitteln Sinn. Nach Viktor E. Frankl und der von ihm begründeten Logotherapie werden Menschen und Gesellschaften krank, wenn kein Sinn durch sie verwirklicht werden. Sie entwickeln “noogene Neurosen”, sozusagen “seelische SinndefizitStörungen”. So sehe ich dies auch. Sinn ist lebenswichtig, lokal und global, individuell und sozial, ist systemrelevant.

Wir schauen auch gerade, während ich diese Zeilen schreibe, das world-wide-concert von Lady Gaga, um die WHO im Kampf gegen Corona zu unterstützen. Da ist viel von den “heroes” zu hören, die an der “frontline” tätig sind. Ich finde auch, dass die Helden und Heldinnen des sozialen Sektors Wertschätzung bekommen sollten. Ich hoffe, dass es auch nach der Krise so sein und sich zum Beispiel in einer besseren Bezahlung und in weniger ökonomischen Druck auf die sozialen Institutionen auswirken wird.

Auf meiner ersten Pfarrstelle hatte ich drei Kindergärten in der Gemeinde, für die ich als geschäftsführender Pfarrer zuständig war. Und ich hatte wunderbare Sternstunden in und mit ihnen. Zugleich sah ich voraus, dass sie wirtschaftlich unter Druck geraten werden. Ich installierte die erste Photovoltaikanlage des Dekanats im Garten des Kindergartens, um sie quer finanzieren zu können. Als dann das neue bayerische “Kindertagesstättenfinanzierungsgesetz” auf den Weg gebracht wurde, wusste ich, dass ich die fortschreitende “Ökonomisierung des sozialen Sektors” nicht will. Ich wechselte dann bald die Pfarrstelle.

Ein zweiter Gedanke ist mir wichtig: Auf der einen Seite dürfen wir hier in Hirschegg ein Pfarrhaus genießen mit Bergwiese drumherum und wunderbarem Ausblick. Auch die Künstler*innen des globalen online-Konzerts halten und nehmen sich und ihre Musik in schönen Räumlichkeiten auf. Auf der anderen Seite sind sehr viele Menschen und Familien nun auf ihre engen und wenig luxuriösen vier Wände reduziert, häufig auch ohne Garten oder Balkon. Sie sind Helden. Die echte Herausforderung ist, mit knappen materiellen Ressourcen zurechtzukommen. Das sind echte HeldINNen. Davor habe ich Respekt. Ich glaube, neben den ökologischen Aspekten sollten nach der Krise ganz bewusst die Aufspaltung der Menschheit in arm und reich angegangen werden. Das wäre Solidarität!

Liebe und solidarische Grüße aus dem schönsten Freiluftgefängnis Mitteleuropas … ond bliiiibet xond,

euer Frank

Written by

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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