Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten, 20.02.2021

Heute fange ich an zu fasten: kein Alkohol, kein Koffein, keine Zigaretten und nichts essen.

Ganz oder gar nicht.

Das letzte Mal habe ich vor ca. 17 Stunden etwas gegessen. Ich habe keinen Hunger. Das finde ich gut.

Das Allgäuer Anzeigeblatt hat mich dazu interviewt: “Dieses Mal bräuchte ich Ihre Hilfe zum Thema Fasten: In einem Text für die Wochenend-Ausgabe in der Allgäuer Zeitung möchten wir Fasten aus drei verschiedenen Perspektiven betrachten: aus theologischer, psychologischer und ernährungstechnischer Sicht. Die Fragen für die jeweiligen Ansprechpartner sind gleich und lauten wie folgt: Was bedeutet Fasten (in Ihrem Fall) aus theologischer Sicht?”

FW: Mit dem Fasten tut man Gott nichts Gutes. Niemand kann damit Bonuspunkte im Himmel sammeln. Aber trotzdem kann dies auch ein Weg sein, sich selbst in spiritueller und existentieller Hinsicht Gutes zu tun: Man nötigt sich selbst, über sich, das Leben, seine eigenen Bedürfnisse, den Sinn und die eigene Prioritätenliste des Lebens in sehr grundlegender, ja körperlicher Weise nachzudenken. So ist das Nachdenken über sich nicht nur ein inneres Glasperlenspiel sondern sehr gut in den Lebensbedingungen der Körpererfahrungen verankert.

Fasten im Sinne von Nichts-Essen für ein paar Tage macht erst einmal Angst. Überlebe ich das?

Der eigenen Todesangst in die Augen zu blicken, ist eine gute spirituelle Übung für erwachsene Menschen. Die Antwort, die wir unserer Todesangst geben, kann unser ganzes Leben in einer positiven Weise beeinflussen. So werden wir offen für die Botschaft der Auferstehung und für die grundlegende Bedürftigkeit aller(!) Menschen. Wir lernen so Barmherzigkeit.

Allgäuer Anzeigeblatt: “Wie faste ich?”

FW: Ich selbst faste ganz oder gar nicht. Sobald ich keinen Termin- und Arbeitsdruck in der Passionszeit habe, werde ich für ein paar Tage nichts mehr Essen und zugleich auf Zigaretten, Alkohol und Koffein verzichten.

Allgäuer Anzeigeblatt: “Was ist für den Erfolg entscheidend?”

FW: Ich selbst brauche und empfehle einen Einstieg in das richtige Fasten ohne Zeit- und Arbeitsdruck. Ich selbst friere in den ersten beiden Tagen ohne Essen und kann mich nicht gut konzentrieren, weil u.a. meinem Gehirn der Zucker fehlt. Ab dem dritten Tag ändert sich das wieder. Dann werde ich sehr wach, kreativ und gedanklich leistungsfähig. Wenn die körpereigenen Endorphine einschießen, bekomme ich euphorische oder mystische Gefühle. Das klappt aber nur in einer Umgebung relativen Friedens.

Ich darf darum nicht mit übermäßigen Konflikten beschäftigt sein, sonst geht es mir seelisch schlechter, als es sein müsste.

Allgäuer Anzeigeblatt: “Welche Tipps geben Sie, um meine Ziele zu erreichen?”

FW: Pflegen Sie spirituelle Neugier mit persönlicher Entschlossenheit! Achten Sie auf eine relative Konfliktfreiheit im täglichen Leben. Wenn Sie das Bedürfnis, besonders während den ersten beiden Tagen, nach Schlaf haben, geben Sie dem nach und machen sich eine Wärmflasche dazu. Und dann, siehe oben: Klären Sie für sich selbst, was Fasten aus theologischer bzw. spiritueller Sicht für Sie bedeutet. Ihre Antwort wird wichtig für das restliche Leben sein.

Mag jemand mitmachen?

Ich finde, die Kombination von Corona-Lockdown und Fasten hat eine ethische Dimension. Seit Diogenes weisen Philosophen darauf hin, dass Probleme abnehmen, wenn man zu Hause bleibt und möglichst schläft.

Kennt ihr den genialen Song von Elen “Liegen ist Frieden”?

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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