Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten, 08.02.2021, Teil 2

Dorothee Wittmann-Klemm “Miniaturen” in der Kreuzkirche

Ich erinnere mich an die Augsburger Kunstaktion “Kunst trotz(t) Armut”. Sie bedeutet mir, obwohl sie in der Vergangenheit ruht, immer noch sehr viel. Und jetzt: Gerade in Corona-Zeiten ist es dringend geboten, Ressourcen der Kreativität, der Kunst, der Poesie und des gelungenen “Noch-Nicht” zu pflegen. Ich entschloss mich kurzerhand, eine Ausstellung in der Kreuzkirche ohne Planung, ohne Vorankündigung zu präsentieren trotz Corona-Pandemie, trotz Bautätigkeit in der Kreuzkirche zur Ertüchtigung derselben.

Weder Corona noch Baustelle hält Sie und euch davon ab, einzeln die Kreuzkirche zu besuchen, sich von Kunst inspirieren zu lassen und … vielleicht auch den spirituellen Ort wahrzunehmen, ein Gebet zu sprechen, eine Kerze anzuzünden …

Dorothee Wittmann-Klemm “Miniaturen” in der Kreuzkirche

Dorothee Wittmann-Klemm: “Miniaturen”

Das Papier zart, duftig, fein, weiß mit durchscheinender Prägung. Darauf finden sich Miniaturen — federleicht. Dorothee Wittmann-Klemm hat sie zu gelegentlichen Anlässen gefertigt, aber stets im Bestreben, das Große auch in der kleinen Form sichtbar werden zu lassen. Unterstrichen wird diese besondere Form der Achtsamkeit durch die bewusste Präsentation in der Kreuzkirche.

„Frech achtet Gott das Kleine“, steht als Motto über dieser Ausstellung. Ähnlich wie der verwandte Buchtitel von Henning Luthers „Frech achtet die Liebe das Kleine“ wird hier nicht spät- sondern postmodern das Verschiedene zusammengetragen: Feder, Gedicht, Papier, traditionelle japanische Tuschmalerei, Collage, Aquarellfarbe …

Das Verschiedene konvergiert und kommentiert die spirituelle Erfahrung, dass Gott im Kleinen und in der Sanftheit zu erfahren ist.

Auch die großen christlichen Feste partizipieren und erläutern diese Erfahrung:

Weihnachten — Gott kommt im kleinen, zarten, ohnmächtigen, verfolgten, schutzbedürftigen Jesuskind zu uns.

Karfreitag — Gott rettet die Welt durch den Untergang und schmerzvollen Tod seiner selbst.

Ostern — Der glorreiche Sieg und Neubeginn durch die Überwindung des Todes fängt im hintersten Winkel hinter verschlossenen Türen statt.

Pfingsten — Gottes neue Welt bricht sich Bahn in kleinen Versammlungen, in einem zarten Netzwerk von Menschen, die, wenn sie sich verständigen, Außenstehenden vorkommen, als ob sie betrunken wären.

Offensichtlich waren dies bereits Gottes Wege, bevor er im schwachen „Gottesknecht“ Jesus von Nazareth poetisch zu uns sprach. Denn in der Bibel wird uns in 1. Könige 19 ab Vers 11 von der Erfahrung des zuvor höchst gewalttätigen Propheten Elia berichtet:

Der Herr sprach: „Geh heraus und tritt hin auf den Berg vor den HERRN!“ Und siehe, der HERR ging vorüber.

Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht im Winde.

Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der HERR war nicht im Erdbeben.

Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der HERR war nicht im Feuer.

Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen.

Als das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus und trat in den Eingang der Höhle.

Die Kreuzkirche ist täglich geöffnet trotz Pandemie und Bauphase.

Sie lädt zur achtsamen Andacht ein. Herzlich willkommen!

Infos auch unter: https://wegedespinsels.wordpress.com/about/

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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