Lebenszeichen von Frank in Corona-Zeiten, 08.02.2021, Teil 1

Hilfe! Gottes Wort durchkreuzt gut gemeinte seelsorgerliche Absichten.

Nächsten Sonntag, am 14.2., beginnen wir wieder um 10.00 Uhr mit den Andachten unter Corona-Bedingungen in der Kreuzkirche. Das ist schön. Ich hatte mich innerlich darauf vorbereitet über Freude, Ressourcen und Hoffnung zu predigen. Das brauchen wir alle, um der Corona-Müdigkeit und Genervtheit durch einschränkende Regeln etwas seelisch Aufbauendes entgegensetzen zu können. Zudem heißt der Sonntag „Estomihi“ und verweist damit auf den dritten Vers des 31. Psalms in der Bibel: „ Sei mir (lateinisch: „Esto mihi“) ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest.“

Sehr positiv, sehr ressourcenorientiert!

Und dann kommt die Ernüchterung: Der Sonntag „Estomihi“ soll in der ganzen evangelischen Kirche als „Sonntag vor der Passionszeit“ gefeiert werden. Der Evangeliumstext, Markus 8, Vers 31–38, der für diesen Sonntag vorgesehen ist, enthält Schweres: Jesus wird leiden und sterben müssen durch seine Gegner, bevor die Kraft der Auferstehung erfahren werden kann. Und Jesus sagt dazu „Ja“. Jesus geht nach Jerusalem wie Nawalny nach Moskau. Manche finden das einfach dumm, zum Beispiel Petrus. Sehenden Auges will Jesus in die „Höhle des Löwen“ gehen und sich seinen sozialen, politischen und theologischen Gegnern gewaltfrei entgegenstellen. Was soll das?

Und erst recht ist der der dazu gehörende und uns aufgegebene Predigttext aus Jesaja 58, Vers 31 bis 38 schwere Kost. Die überlieferten Sätze stellen selbst eine Zusammenfassung einer religions- und sozialkritischen Predigt, die seine Hörer*innen nicht schont, dar. Der Prophet Jesaja geht vor etwas 2800 Jahren hart ins Gericht mit den Menschen, die ihm anvertraut sind, und fordert Freiheit und Gerechtigkeit für die Menschen, die, und jetzt kommt es, von den Hörern seiner Predigt unterdrückt werden.

Und dieses Wort Gottes soll nun für unseren Alltag fruchtbar gemacht werden? Wie geht das? Wo sind hier die Ressourcen, die Ermutigung, die Kraftquelle, die Lebensfreude, die wir jetzt so dringend brauchen? Der Seelsorger in mir rebelliert. Er ringt mit dem Prediger und dem Zeugen des Wortes Gottes in meinem Herzen und in meinem Kopf.

Wie wird dieses Ringen ausgehen? Das weiß ich jetzt noch nicht genau. Es wird auf jeden Fall etwas mit nüchterner Hoffnung zu tun haben. Ich werde darüber Rechenschaft ablegen am Sonntag in der Kreuzkirche.

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