Lebenszeichen von Frank am Weihnachtsfest, 25.12.2020

“Frohe Weihnachten” jetzt erst recht! Dieses Weihnachten ist besonders.

Es waren schon besonders wenige Menschen in den Weihnachtsgottesdiensten.

Wir hatten besonders viele Vorkehrungen getroffen, damit die Hygiene ganz, ganz ordentlich beachtet wird.

Ich war, ehrlich gesagt, besonders aufgeregt und innerlich angespannt, ob denn alles klappen wird. So viel besonders! Und es ging gut. Ich erinnere mich daran, was ich selbst für die Presse geschrieben hatte:

“Frohe Weihnachten” jetzt erst recht! Dieses Weihnachten ist besonders.

„Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“

So lautet der biblische Impuls aus 2. Tim. 1, 7 der Kirchen schon zu Beginn der Corona-Krise. Ich schließe mich dem ausdrücklich auch zu Weihnachten an.

„Fürchtet euch nicht!“ So singen die Engel im Himmel und auf der Erde nicht nur zur Weihnachtszeit. Jetzt wollen wir sie lauter hören. Wir müssen sie lauter hören, weil wir schon ganz durcheinander sind in unseren Gedanken und in unserer Seele. Ich spüre das bei mir und beobachte es auch bei anderen.

Wir werden ein Leben lang an diese Weihnachtszeit denken. Zwar sagt die Virologin, Professorin Isabella Eckerle in der „Zeit“: „Wer kann, sollte Weihnachten dieses Jahr abhaken.“ Dem widerspreche ich aber. Ich will und darf das so nicht stehen lassen, als Pfarrer schon gar nicht.

Denn gerade jetzt, vollkommen egal, wie distanziert wir Weihnachten feiern (müssen), egal auch, wie kirchlich distanziert wir vielleicht obendrein sind, gerade jetzt wird die Weihnachtsbotschaft wichtig und deutlich: „Das Volk, das im Finsteren wandelt, sieht ein großes Licht. Und über denen, die da wohnen im finsteren Land, scheint es hell.“ So tröstet der Prophet Jesaja in Kapitel 9, Vers 1 das Volk Israel damals und uns heute.

Und: Wir Erwachsene werden nie mehr in unserem Leben die seltene Konjunktion von Saturn und Jupiter erleben. Sie steht am frühen Abend rechts neben dem Widderstein. Wahrscheinlich folgten die „Magier“ alias „Weise aus dem Morgenland“, offenbar Anhänger einer altorientalischen Astralreligion, vor gut 2000 Jahren der gleichen immer wiederkehrenden Himmelserscheinung. Sie fanden dabei das Gotteskind Jesus im Stall von Bethlehem. Sie verbanden diese Himmelserscheinung mit einer weltenwendenden Bedeutung, nämlich: „Gott fängt noch einmal ganz neu mit der Menschheit an und wählt den Weg der Liebe, der Hoffnung, der Gerechtigkeit und der geschenkten Gnade.“

Weihnachten ist damit der gelebte Widerspruch zur Corona-Panik auf der einen Seite und zur Corona-Depression auf der anderen.

Mit diesem Widerspruchsgeist folge ich erst einmal dem Königsberger Philosophen Immanuel Kant. Der „große klare aus dem Norden“ sagt eindeutig: „Du hast eine Pflicht zur Hoffnung.“ „Denn“, so würde der preußisch-exakte Philosoph weiter betonen, „ohne Hoffnung gibst du jetzt schon der Misere nach. Wenn du die Hoffnung aufgibst, gibst du Recht und Macht den Dingen, Kräften und Strukturen, die dich und andere bedrohen.“

Mit dieser unbedingten ethischen Herausforderung, die Philosophen den „kategorischen Imperativ“ nennen, folge ich dann dem Jesuskind, das später die Bergpredigt der Liebe halten wird. Der Bergprediger sagt danach am Ende des Matthäusevangeliums: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.“

Darum wird alles im Licht sein Ziel finden. Die, die heute trotz allem hoffen, sind die, die am Ende Recht behalten. Gott selbst sorgt dafür.

Und jetzt bitte ich einfach: Wer kann, möge herauskommen aus der passiven und/oder depressiven Haltung. Ich weiß, dies ist nicht einfach. Wir brauchen dazu Willen, Mut und manchmal auch aktivierende Wut. Corona ist nämlich nicht das einzige, nicht das erste und auch nicht das letzte Problem der Menschheit im Großen und im kleinen Lebenskreis. Es kommt darauf an, die Welt vernetzt wahrzunehmen. Es gibt so viele Möglichkeiten, das Gute zu sehen, die Verantwortung für die Zukunft unsere Kinder und Kindeskinder wahrzunehmen und endlich entschlossen aktiv zu werden. Denn wie bei dem Jesusbaby im Stall von Bethlehem gilt: Die gute Zukunft beginnt mit dem Kind … und den Kindern.

Mit diesem weihnachtlichen Blick packen wir die Probleme des Lebens an: Corona, Umwelt und Klima, die extrem ungleiche Verteilung von Armut und Reichtum, der verantwortungsvolle Umgang mit Macht, die Sinnleere im eigenen Leben und die Konflikte im Alltag.

„Frohe und wut-mutige Weihnachten“,

euer Frank

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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