Lebenszeichen in Corona-Zeiten von Frank am 9.9.2020

Wir sind dabei, die Corona-Krise zu deuten. Verschwörungstheoretiker haben den Anfang gemacht. Nun müssen auch besonnene Zeitgenossen nachziehen. Ich finde es gut, dass und wie es unser Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm (HBS) tut. Texte dazu habe ich auf unsere Homepage eingestellt unter

Grundlegendes findet man auch direkt:

Die Diskussion hat begonnen und wurde teilweise veröffentlicht mit einer “Gebrauchsanleitung für das Endspiel”.

Ich bin mit HBS der Ansicht, dass die Corona-Krise eine Art Lackmus-Test für unsere Kirche ist. Sie zeigt auf, wo Veränderungsbedarf besteht. Es wird in Zukunft schlichtweg nicht mehr alles finanzierbar sein, woran man sich gewöhnt hat. Unsere Kirche hat überhaupt kein Problem damit, zu sagen, was wichtig ist. Überall werden Prioritäten benannt. Niemand traut sich aber Posterioritäten zu bestimmen. Die Folge davon sind übervolle Terminkalender, leere Haushaltskassen, angespannte Nerven und schlechte Stimmung.

Ich will das nicht. Ich will neben Prioritäten auch Posterioritäten benennen und das auch tun dürfen. Aber allein die Tatsache, dass unser Landesbischof darauf hinweist (mit anderen und wohlabgewogeneren Worten als ich), löst heftige Debatten aus.

Ich positioniere mich: Ihre Identität, ihr “unique selling point”, gewinnt unsere Kirche durch ihren Auftrag der “Kommunikation des Evangeliums”. Aller Kirchbau und sonstigen kirchlichen Gebäude, alle sozialen Gebilde und Strukturen, alle Personalstellen folgen daraus — nicht umgekehrt. Kirche ist ein Kommunikationsgeschehen. So verstehe ich auch den 7. Artikel des Augsburger Bekenntnisses. Es steht in unserem Gesangbuch (hinten im grünen Teil).

In der Corona-Pandemie habe ich festgestellt, dass Kommunikation “im Auftrag des Herrn” funktioniert auch unter anderen Bedingungen.

Zugleich verstört es mich, dass viele kommunikative Bereiche von Christen nicht besucht, bearbeiten und kommentiert werden. Der Marktplatz, auf dem Paulus gepredigt hätte, steht auf unseren Schreibtischen und steckt in unseren Hosentaschen. Aber ich selbst bin außer im Corona-Lockdown dienstlich einfach zu beschäftigt, als dass ich im Internet präsenter wäre, um hier “Zeugnis abzulegen”. Ich finde, es schadet der Verkündigung, dass ich sehr viel mit Protokollen, dienstlichem Schriftverkehr und Rechnungen u.dgl. beschäftigt bin. In mein Mailfach kommt mehr Dienstpost, als ich überhaupt zeitlich lesen kann! Darum weigere ich mich oft, den Button “gelesen” anzuklicken. Weil es einfach nicht stimmt …

Ich freue mich aber, dass es endlich unter der Adresse

eine Plattform gibt für “Sinnfluencer:innen” die “im Auftrag des Herrn unterwegs” sind im Internet.

Besonders empfehlen möchte ich euch

@juliaandthechurch

und

@alpha_und_oh_mega

auf Instagram.

Ich merke dabei, auch mein Blog ist einfach zu wenig und kommunikativ nicht leistungsfähig genug. Ich bräuchte einfach mehr Zeit dazu …

Ich finde eigentlich auch, dass ganz “normale” Christenmenschen sich im Internet einklinken und Zeugnis von der Liebe Gottes, die allen gilt, ablegen sollten. Ich finde, das gehört zum “allgemeinen Priestertum aller Glaubenden”. Sorry, das muss ich einfach loswerden: Unsere protestantische Kirche hat sich daran gewöhnt, dass Hauptamtliche den Zeugnisdienst übernehmen sollen. Das war aber überhaupt nicht das Anliegen der Reformation, die ja gerade die Mündigkeit aller Christen betont. Nun ja …

Aber jetzt gehe ich erst einmal wieder in die analoge Welt. Dort wartet die Betreuung unserer Baustelle für die barrierefreie Ertüchtigung der Kreuzkirche, Seelsorge und … ja … Kochen. Es duftet schon. Auch nicht schlecht! Wir erwarten eine Gast.

Bis bald, euer Frank

Written by

Evangelischer Pfarrer, Traumatherapeut und Biker im Kleinwalsertal

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